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Lyrik im Glashaus

Am 16. August wurde es ruhig um das Glashaus am Grünen Markt, zumindest dann, wenn man gespannt den Preisträger-Gedichten lauschte. Eine fünfköpfige Jury hatte die besten acht lyrischen Beiträge für diese Lesung ausgesucht.
Lyrik im Glashaus

Mittwoch Abend, eine laue Sommernacht – bestes Wetter für eine Lesung inmitten des Grünen Markts. Zur Einstimmung hat Bürgermeister Norbert Seidl ein paar ungarische Weine aus dem Rathaus mitgebracht. Dann beginnt die „Mini-Big-Band“ des Puchheimer Gymnasiums mit Dominik Schneider am Stage-Piano, Maxi Schwojer am Tenor-Saxophon, Nicolai Mondschein am Alt-Saxophon, Michael Ege an der Trompete und Korbinian Kepper an der Posaune zu spielen. In jazziger und gemütlicher Atmosphäre begrüßt Kulturreferentin Ramona Weiß die Gäste, ehe sie gemeinsam mit Bürgermeister Norbert Seidl durch den Abend führt.

 

Der 2. Puchheimer Lyrik-Wettbewerb drehte sich rund um das neue Stadtzentrum. Und darüber wird auch an jenem Abend heiß diskutiert. Während Andreas Hofmann und Michael Schäffler in ihren Gedichten zunächst die Geschichte Puchheims rund um den Grünen Markt nochmals aufleben lassen, ruft Mona-Elena Popp zum „Verweilen“ aus. Just Verweilen und den Augenblick genießen. Hast und Eile dominieren viel zu oft unseren Alltag, deshalb sei es nötig, einfach mal anzuhalten, die Umgebung wahrzunehmen. „Wir, die Stadt, für eine friedliche und gerechte Welt“ enden ihre Verse. Eine Altstadt mit Stadtmauer und Stadttor könnte sich Stadtrat Günter Hoiß vorstellen. Und dann ein „Café mit Hängematten“, in seinem lyrischen Werk schlüpft Hoiß einmal in die Rolle des Puchheimer Bürgers und richtet sein Anliegen an den Stadtrat.

 

Ehe die Gewinnergedichte verlesen werden, nutzt die Puchheimer Mini-Big-Band nochmals ihr musikalisches Können, um mit „Ain’t no sunshine“ auf die einbrechende Dämmerung aufmerksam zu machen. Im Glashaus bekommt man diese kaum mit, ist man doch in Illusionen, Wünsche und Gedanken rund um das neue Stadtzentrum vertieft, im Hintergrund die jazzige-wohlige Musikbegleitung. Puchheims neue Mitte: Wann sie wohl kommt?

 

In zehn Jahren, meint Ilona Wiebers, wenn man bis dahin nur fleißig spare. Einen lebendigen Dialog mit allen Fraktionen führt sie in ihrem Gedicht. Mit geplant ein Tunnel für Autofahrer von Nord nach Süd, aber auch ein Bildungshaus, Parkhaus und natürlich genügend Bäume sollen das Stadtbild zieren. Wiebers teilt sich Platz drei mit Marianne Lindner-Köhler, welche die vielen Vorhaben im neuen Stadtzentrum von Musikschule über VHS bis hin zur Bücherei aufzählt. Die entstehenden Bauten fasst der Zweitplatzierte und Sieger des vorangegangenen Wettbewerbs, Wolfgang Englmaier, in gewohnt ausdrucksstarke Worte. Er wähnt sich auf der „Türkentrankterrasse“ mit einem Tässchen Café sitzend, zu den „polygonen Pyramiden“ hinüberblickend, ehe er vom Dach der „Präsidentenwiese“ Klänge vernimmt. Den Spatenstich sehnt er sich regelrecht herbei.

 

Das Siegergedicht unterscheidet sich deutlich in seiner Form und Länge von den anderen, welche überwiegend in Reimschema verfasst sind und 30 Zeilen teilweise knapp überschreiten. Vernon Uhlenbrock punktet mit Spannungsbogen. Philosophisch und geheimnisvoll schafft der 70-jährige die Atmosphäre am Schauplatz. „Puchheim“ selbst fällt dabei nie und doch merken die Zuhörer, um welchen Ort es sich handelt. Uhlenbrock spricht sie direkt an, im Dialog mit seiner Stadt Puchheim spricht er „vom werden der unbekannten stadt zurück in den gewachsenen ort“. Einst ein „unbegehbarer ort der die heimat versteckt in kaum sichtbaren farben“, aus einst Müll und Asche wird sie schließlich sprießen, „eine blume die neue mitte“.

 

Die besten Gedichte wurden bereits im aktuellen Programmheft der Volkshochschule veröffentlicht und sollen zudem im Jahr 2018 im zwölften Band der Puchheimer Seniorenbücher abgedruckt werden.

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