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Stadt Puchheim  |  E-Mail: info@puchheim.de  |  Online: http://www.puchheim.de

Bürgerbrief

Erster Bürgermeister Norbert Seidl

Liebe Puchheimerinnen, liebe Puchheimer,

 

Al Gore hat in seinem Film „Eine unbequeme Wahrheit“ 2006 aufgezeigt, dass sich die Menschheit in eine Sackgasse manövriert, indem der Abbau der fossilen Bodenschätze der zukünftigen Generation keine Ressourcen mehr lässt und gleichzeitig aktuell die globale Erwärmung Millionen Menschen jetzt schon trifft. Zumindest in Deutschland werden die Grundaussagen des Filmes als Fakten akzeptiert. Die Konsequenz daraus, mit der Unbequemlichkeiten verbunden sind, wird jedoch noch lange nicht ernst genug genommen. Wir alle betrachten mit großer Distanz die Hurrikans, die Überflutungen und Dürren, die Verteilungskriege um Erdöl, die Umweltkatastrophen und die Waldbrände. Die Strom-, Benzin- und Gaspreise bei uns bleiben verkraftbar. Trockenheit oder Starkregen betreffen oft lediglich einen kleinen Teil der Nachbarschaft.

 

Warum sich also aus dem bequemen Sessel herausbegeben und Licht ausschalten, Heizung herunterdrehen, Müll sortieren oder weniger Auto fahren? Vielleicht weil wir instinktiv erkennen, dass wir nur mehr eine überschaubare Spanne an Zeit und Gelegenheit haben, das große Kippen des Klimas zu verhindern. Vielleicht weil wir kapiert haben, dass es doch die vielen kleinen Räder auf der ganzen Welt sind, die eine Sache kaputt machen aber auch in eine bessere Richtung drehen können. Vielleicht weil wir erlebt haben, dass man den sauren Regen stoppen kann und eine Wende hin zu regenerativer Energieerzeugung schaffen kann.

 

Die Stadt Puchheim will ganz bestimmt nicht bequem warten, bis der Handlungsdruck alternativlos wird. Deswegen verwenden wir viel Geld darauf, um die kommunale Daseinsvorsorge im Sektor Energie in den Dingen und in den Köpfen umzustellen. Das Engagement im Bereich Geothermie ist getragen von dem Willen zur Gestaltung der Wärmewende und vom Wissen um die Begrenztheit der Möglichkeiten einer regenerativen Energieproduktion vor Ort. Woher sollen denn in Puchheim das ganze Biogas, die Hackschnitzel, der Wasserkraft- und Windanlagenstrom herkommen? Die privaten Photovoltaik-Anlagen mögen für die Passivhäuser reichen, aber irgendjemand muss den Hochhäusern, den Firmen oder den Autos ja Wärme und Strom liefern.

 

Wenn man in Puchheim also warmes Wasser für die Fernwärmeversorgung fördern kann, dann muss man zumindest dieses Mengenäquivalent an Gas, Erdöl oder Kohle weniger verbrennen. Geothermie in der regionalen geologischen Struktur ist machbar, erprobt und einschätzbar und kann damit ein entscheidender Faktor für eine gelingende Energiewende sein. Wer Geothermie ablehnt, wer diese Chance nicht nutzen will, mag dafür wichtige Gründe haben. Er sollte sich aber auch eingestehen, dass er auf Kosten anderer Menschen in der Welt bzw. auf Kredit der nächsten Generation lebt. Das ist nicht verboten, das müssen wir fast alle machen, aber das gehört auch zu der immer noch unbequemen Wahrheit über unseren Umgang mit dieser Erde.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Norbert Seidl

Erster Bürgermeister

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