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Stadt Puchheim  |  E-Mail: info@puchheim.de  |  Online: http://www.puchheim.de

Bürgerbrief

Erster Bürgermeister Norbert Seidl

Liebe Puchheimerinnen, liebe Puchheimer,

 

die Region München ist wirtschaftlich eine der stärksten Gegenden in ganz Deutschland: Hier wird am meisten verdient, hier gibt es die besten Arbeitsplätze und die wenigsten Arbeitslosen, hier findet die höchste Wortschöpfung für das Bruttoinlandsprodukt statt. An dieser Entwicklung wollen viele Menschen außerhalb der Region teilhaben, weswegen sie sich auf Stellen und Posten in und um München bewerben. Die Folgen sind bekannt und ausführlich beschrieben, denn die Zuzügler wollen nicht nur arbeiten, sondern sie müssen irgendwo wohnen, von dort aus zur Arbeit kommen, ihre Kinder brauchen Kitas und Schulen und etwas Freizeitgestaltung, Sport oder Natur soll schon auch dabei sein. Dies zu regeln ist Aufgabe der Öffentlichen Hand, vor allem der Kommune vor Ort. Die Wirtschaft liefert diesbezüglich so gut wie keinen Beitrag, lediglich indirekt über die Höhe der Gewerbesteuer.

 

Eines der drängendsten Probleme ist die Situation auf dem Wohnungs- und Immobilienmarkt. Da die Gesetze der Marktwirtschaft über das Verhältnis Angebot zu Nachfrage die Preisgestaltung definieren, gibt es nur für sehr viel Geld besseren Wohnraum. Der Versuch über die Erhöhung des Angebotes mittels mehr Bauen den Preis zu kontrollieren, scheitert daran, dass es genügend „Reiche“ gibt, die immer mehr an Bauland und Wohnraum exklusiv für sich in Besitz nehmen können. Die Häuser und Wohnungen werden also immer größer. Während 1991 je Einwohner in Deutschland 35 qm zur Verfügung standen, müssen es 2016 bereits 47 qm sein. Das heißt, dass z.B. in Puchheim statt 20.000 Einwohner bei gleichem Wohnraumangebot vor 25 Jahren 7.000 Leute mehr gewohnt hätten. Er ist klar, dass es kein Zurück zu den guten alten Zeiten gibt. Dennoch liefert mir dieser Vergleich eine Einschätzung darüber, wie prekär und notleidend die aktuelle Lage denn wirklich ist.

 

Die Stadt Puchheim reagiert auf diese Herausforderungen des Wohnungssektors mit den ihr möglichen Mitteln. Der Stadtrat hat eine Zweckentfremdungssatzung beschlossen, die einerseits gegen das Unwesen, Wohnungen für Touristen zu vermieten, vorgeht und andererseits das Leerstehenlassen von Häusern verstärkt in den Fokus nimmt. Eine Freiflächengestaltungssatzung soll die Tendenz, jeden Quadratzentimeter des teuren Baulandes mit möglichst vielen Zuwegen, Stellplätzen, Terrassen, Nebengebäuden usw. zu versiegeln und den Rest an Grün mit Hilfe von japanischem Zierkies zu unterdrücken in geordnetere und gefälligere Bahnen lenken.

 

Derartige Rechtsetzungen haben ähnlich den Gesetzen zur Mietpreisbremse überschaubare Einflusskraft und Durchsetzbarkeit. Dennoch zeigen sie an, dass die Öffentliche Hand ihren Gestaltungsauftrag bzgl. der Lebensverhältnisse der Bürgerinnen und Bürger nicht aufgeben will. Ich hoffe, dass Sie diese Sichtweise teilen und die Stadt bei dieser Verantwortung unterstützen.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Norbert Seidl

Erster Bürgermeister

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